Allgemeines und Spezielles zur Schildkrötenhaltung
Allgemeines:
Dieser kleine Einblick soll Ihnen helfen, sich vor dem Kauf oder der Anschaffung von Schildkröten einen ersten Einblick zu verschaffen und zu überlegen, ob Sie in der Lage und vor allem willig sind, ihren zukünftigen Mitbewohnern ein artgerechtes und langes Leben zu bieten.
Können Mindestparameter zur Unterbringung und Ernährung der Reptilien nicht gewährleistet werden, sollte man auf deren Haltung verzichten, denn nach dem Tierschutzgesetz sind die artgerechte Haltung, Pflege , Fütterung sowie die Abwendung von Schäden und Gefahren eine unverzichtbare Voraussetzung.
Meistens werden dem Tierarzt die Folgen falscher Ernährung und Haltung vorgestellt. In der Regel handelt es sich nicht um ,,exotische“ Krankheiten.
Der Tierhalter ist also für die Gesundheit seiner Schildkröten moralisch und per Gesetz verantwortlich. Wenn nötig stehen ihm spezialisierte Tierärzte zur Verfügung und helfen gern mit Rat und Tat.
Schildkröten ( Testudines ) stellen die ursprünglichste Ordnung der Kriechtiere ( Reptilia) dar . Sie leben innerhalb der gemäßigten und warmen Klimazonen auf allen Erdteilen und in den angrenzenden warmen Meeren. Ihre Lebensräume sind je nach Gattung und Art sehr unterschiedlich. Meeresschildkröten leben im offenen Meer, Wasserschildkröten besiedeln Teiche, Seen, Tümpel, Sümpfe und Flüsse. Landschildkröten sind sowohl in tropischen Regenwäldern, als auch im Buschland, Savannen , Halbwüsten und Wüsten anzutreffen.In mehr als 200 Arten kommen sie also auf allen Kontinenten vor.
Für die Heimtierhaltung haben nur einige Familien Bedeutung:
Landschildkröten ( Testudinae )
Sumpf und Wasserschildkröten ( Emydidae )
Schlammschildkröten ( Kinosternon )
Weichschildkröten ( Trionychidae )
Vornehmlich die Landschildkröten wurden wegen des katastrophalen Rückganges ihrer Arten unter Schutz gestellt ( Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen ).
Aber auch einige Wasserschildkröten-Arten stehen unter Schutz und sind meldepflichtig bei der zuständigen Behörde.
Viele Arten verbringen einen großen Teil ihres Lebens im Wasser und sind dort sehr gewandte und schnelle Schwimmer.
Landschildkröten sind dagegen recht bedächtige Tiere.
Alle Schildkröten sind Eierlegend und können bis zu 150 Eier in eine selbst gegrabene Grube an Land ablegen.
Viele Schildkrötenarten können ein sehr hohes Alter erreichen, hier einige Beispiele:
Strahlenschildkröte – 190 Jahre
Mauritius-Schildkröte – 150 Jahre
Galapagos-Riesenschildkröte100-150 Jahre
Dosenschildkröte - 80-90 Jahre
Schnappschildkröte - 20 Jahre
Zierschildkröte - 10-15 Jahre
Rotwangenschmuck-Schildkröte 15 Jahre
Andere Angaben aus der Literatur führen bei vielen Wasserschildkröten – Arten bis zu 40 Jahre an, vor allem in freier Wildbahn
Mittlerweile kommen bei uns recht häufig die verschiedensten Wasserschildkröten-Arten vor:
Rotwangenschmuckschildkröten
Gelbwangenschmuckschildkröten
Zierschildkröten
Verschiedene Arten von Hieroglyphen- Schmuckschildkröten,
Das Vorbild für die Terrarienhaltung sollte sich immer am natürlichen Vorbild orientieren.
Für Landschildkröten gilt die Faustregel, : die Terrarienlänge errechnet sich mindestens aus dem Achtfachen der Panzerlänge. Die Terrarienbreite soll der halben Terrarienlänge entsprechen.
Die Höhe ergibt sich aus der doppelten Panzerlänge des größten Tieres .
Diese Grundfläche steht für 2 Schildkröten, weitere 2 Tiere sollten 10% mehr und ab dem 5.Tier sollten 20% Grundfläche mehr zur Verfügung stehen.
Landschildkröten :
Sind oft schwieriger zu erhalten und oft sehr teuer und potentielle Halter informieren sich scheinbar häufiger über die artgerechte Haltung der Tier.
Aber auch hier haben wir schon sehr kranke ,aufgefundene Tiere in unsere Obhut nehmen müssen ,oft mit infauster Prognose!
Wasserschildkröten sind dagegen oft einfach aus dem Fachhandel als kleine Aquarien-Bewohner zu beziehen. Häufig sehr preiswert und mit wenig Fachinformation versehen, staunen die meisten zukünftigen Halter/ Besitzer nicht schlecht, wenn ihnen die Schildkröten schnell zu groß und somit das Aquarium viel zu klein wird.
Wenn der ursprüngliche Fischbesatz dezimiert wird , sich kaum noch Wasserpflanzen im Aquarium befinden und die Schildkröten ( sie können ja durchaus alt werden ) dringendst ein neues Heim benötigen, ist es oft nur ein kleiner Schritt, um die Tiere irgendwo in Teichnähe oder auf Wiesen und Äcker auszusetzen.
Mit Tierschutz, Verantwortung und Fürsorge für das Wohl der anvertrauten Tiere hat das nichts mehr zu tun !
Und im übrigen gefährden ,,freigelassene“ Wasserschildkröten unsere einheimische Fauna und Flora.
Haltung
Die Terrarien für Landschildkröten sollten genügend Auslauf bieten, Versteckmöglichkeiten und kleine Hindernisse sollten vorhanden sein.
Die Einstreu/ Bodensubstrat (sandige Erde, Rindenmulch) muß tief genug zum Sicheingraben oder für Eiablagen sein.
Wasserschildkröten benötigen ein geräumiges Schwimm-Becken und je nach Art entsprechend große Landteile. Versteckmöglichkeiten und trockene Wärmeplätze ( Strahlungswärme) müssen ebenso vorhanden sein wie Plätze für die Eiablage.
Die Grundtemperaturen sollen in Terrarien für Landschildkröten 22 –28 Grad Celsius betragen , teilweise z.B. für subtropische und tropische Formen 24-26-30 Grad Celsius .
Wasserschildkröten benötigen je nach Art und Herkunft 24-28-30 Grad Celsius. Wärmespots geben die Möglichkeit der lokalen Erwärmung bis 45°C.
Haltungsfehler
Mindestanforderungen sollten immer als solche verstanden werden !
Die soziale Zusammensetzung hat ebenfalls entscheidenden Einfluß auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Schildkröten. Oft sind Männchen Einzelgänger und nur unter Kontrolle zu Brunstzeiten zu verpaaren. ( Schlamm-, Kreuzbrust,-Großkopfschildkröten ). Freianlagen stellen für viele geeignete Arten die artgerechteste Haltungsform dar . Schutzhütten oder ähnliches sollten vorhanden sein. Sowohl Nahrungsaufnahme als auch die Verdauung sind an bestimmte Umgebungs-Temperaturen gebunden. Schildkröten sollten nicht frei im Zimmer oder in großen Räumen gehalten werden ! Verletzungsgefahr ! Lungenentzündungen können die Folge sein.
Wasserschildkröten sollten ebenfalls keinen zu rauhen Untergrund im Becken / Teich haben . Verletzungen am Schild können bei Land-und Wasserschildkröten die Folge sein und zu blutenden Wunden führen.
Die Wassertiefe des Beckens sollte mindestens der Breite des größten Tieres entsprechen.
Zu niedrige Wassertiefe hat zur Folge, das die Tiere sich nicht selbständig umdrehen können, wenn sie auf dem Rücken zu liegen kommen und die Tiere können ertrinken !!
Für Wasserschildkröten sollte es einen Landteil im Aquarium geben, auf dem sie sich sehr gern ausruhen und wenn nötig durch spezielle Lampen bestrahlen lassen. In einem Teich gehaltene Wasserschildkröten werden in der Regel seltener zu sehen sein, oft flüchten diese Tiere bei Annäherung durch Personen ins Wasser und tauchen unter. Diese Form stellt allerdings aus meiner Sicht die beste Alternative zur Aquarienhaltung dar. Hinweise zur Überwinterung beachten !
Oft werden Aquarien schnell zu klein für die wachsenden Wasserschildkröten. Achtung: ausreichende Wassertiefe - seicht ansteigender Untergrund zum Landteil. Möglichkeiten zur Eiablage anbieten. Je größer ein Becken desto besser für die schwimmenden Schildkröten. Ausreichende Filterleistung der Aquarienpumpen beachten. Temperatur-Bereiche beachten ! Strahlungswärme ( durch aufgehängte Lampen ) beachten
Winterruhe
Die Winterruhe ist ein physiologischer Vorgang und keine schlichte Kältestarre!
Sie muß eingeleitet werden.
Nicht in jedem Fall ist es ratsam die Winterruhe ( Land-und Wasserschildkröten ) zu erzwingen.
Kranke Tiere und viele Heimschildkröten benötigen nicht in jedem Fall eine Winterruhe.
Unterscheiden kann man zwischen Winterruhe im Freiland / im Kühlschrank oder im Keller .
Wasserschildkröten überwintern im Aquarium / in Plastikwannen und dergleichen. Der Wasserstand darf die Panzerhöhe nicht überschreiten!! Damit die Tiere den Kopf aus dem Wasser heben können. Auch hier können die Behälter im Kühlschrank ( zwischen 4-5 Grad Celsius ) oder im Keller stehen.
Bei Erwachen genügt ein Anheben der Temperatur ( langsam ) über 5 bis 7 Tage.
Sprechen Sie mit ihrem Tierarzt darüber oder lesen Sie entsprechende Spezialliteratur zu diesem Thema.
Fütterung
Grundsätzlich gilt zu beachten:
Über das Futter müssen alle Stoffe einer ausgeglichenen Ernährung wie Eiweiße, Kohlenhydrate, Fette, Ballststoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente zugeführt werden
Pflanzenfressende Landschildkröten erhalten viele Wiesenkräuter, Obst und Gemüse .
Andere Landschildkröten erhalten zumindest einmal wöchentlich fettreduziertes Hundefutter, schieres Rindfleisch oder Süßfisch.
Sumpfschildkröten sind oft Allesfresser:
Früchte, Kräuter, Raspelmöhren , Sachnecken, Würmer ,Insekten, Fisch mit Schuppen, nestjunge Mäuse, fettarmes Hundefutter, Garnelenschrot und Fischfutterpellets mit weniger als 25% Rohprotein können verfüttert werden.
Rotwangenschmuck-Schildkröten oder andere aquatile, vorwiegend fleischfressende Schildkröten füttert man am einfachsten mit einem Mix aus Gelantine, Fleisch, Fisch ( auch ganze getrocknete Fische zum Beispiel ) , Obst, Gemüse , Vitamine – Mineralien ( wichtig für die Panzerentwicklung und Gesunderhaltung ) , portioniert und eingefroren .Kleine mit Vitaminen/ Mineralien angereicherte ( eingeriebene ) Fleischstückchen eignen sich ebenfalls , gelegentlich ganze getrocknete Fischchen , Süsswasserschnecken, Regenwürmer und auch Insekten sind anzubieten. Ebenfalls eignet sich Katzenfertigfutter ( feucht, halbfeucht oder trocken ) . Der Anteil an Fertigfutter sollte aber nicht mehr als 50% der Gesamtfutterdosis betragen . Frische pflanzliche Nahrungsmittel wie Kopfsalat, Wasserpflanzen, Äpfel, Birnen u.s.w. sollten angeboten werden.
Von der Industrie werden auch verschiedene Fertigfutter für Land – und Wasserschildkröten angeboten. Erfahrene Züchter stellen allerdings einen eigenen ,, Kuchen“ her. Sicherlich nicht ohne Grund .
Zusätzliche Calciumgaben und Mineralien , sowie Vitamine beugen Mangelerscheinungen vor. Aber immer ist auf Rückstände ( Salate, Obst und dergleichen – Herbizide ) zu achten und es ist ebenfalls vor übermäßigem Gebrauch von Mineral-und Vitamin - Zusätzen zu warnen.
Abwechslungsreiche, gehaltvolle und rückstandsfreie Nahrung bietet die beste Gewähr für ein gesundes Schildkrötenleben.
Schlagen Sie bitte in der Fachliteratur die Besonderheiten der jeweiligen Arten nach.
Verfallen Sie nicht dem Irrglauben, daß Schildkröten äußerst einfach zu handhabende Reptilien sind und völlig anspruchslos in viel zu kleinen, engen Behältern ein langes Leben ,,fristen“ können.
Auch die artgerechte Unterbringung und Haltung sowie die Beschaffung von artgerechtem Futter ist ein nicht zu unterschätzendes finanzielles Problem.
Ihr Tierheim – Team